Und dann war er da, der letzte Tag in Australien. Er empfing uns sehr verregnet, was aber nicht weiter schlimm war. Wir konnten die letzten Tage noch ziemlich viel Sonne tanken und hatten noch mal so richtig heisse Temperaturen. Nun sitzen wir am Flughafen und erstatten euch gerne zum letzten Mal Bericht aus Down Under.

Wir haben uns also mit Scotty für zwei Nächte auf dem Caravan Park Fremantle Village eingerichtet. Super Platz, tatsächlich wie ein kleines Dorf aufgebaut. Am ersten Tag zog es uns ins Zentrum von Fremantle. Die Stadt erlebte im späten 19. Jahrhundert einen Goldrausch und aus dieser Zeit stammen viele Gebäude. Sind recht ansprechend, diese Prachtbauten. Die Stimmung ist allgemein sehr gemütlich und es gibt viele kleine Bars und Restaurants. Am besten gefallen hat es uns in der Brauerei «Little Creatures», wo uns nicht nur das Bier, sondern auch das Essen hervorragend schmeckte 😉 Das Tasting Paddle, bei dem wir von allen Zapfbieren eine kleine Kostprobe erhielten, fanden wir jedenfalls super.

Am nächsten Tag starteten wir dann zu unserem Tagesausflug nach Rottnest Island. Die Fähre brachte uns in 40 Minuten von Fremantle auf die kleine Insel. Unsere Fahrräder, die wir im Voraus gemietet haben, wurden uns direkt beim Austeigen in die Finger gedrückt. Man merkte gut, dass das extrem heisse Wetter und die feuchte, salzhaltige Luft den Fahrrädern arg zusetzen. Aber für uns reichten die Dreigangräder aus, um uns auf der Insel zu bewegen. Wir haben nicht nur den Nationalfeiertag (Australia Day), sondern auch den wohl heissesten Tag seit Langem erwischt. Die Temperatur von über 40°C zwang uns, unsere Velotour abzukürzen und uns in den wunderschönen Buchten im klaren Meerwasser abzukühlen, was wiederum auch nicht so tragisch war. Der Fahrtwind war leider nicht ansatzweise erfrischend. Ihr wisst ja, wie das ist, wenn man den Backofen öffnet und einem 200 Grad entgegenschlagen, oder? Ziemlich genau so hat es sich auf der Insel angefühlt. Wir haben es dann ähnlich gemacht wie die kleinen süssen Quokkas. Die sind nämlich auch nur noch unter den Bäumen im etwas kühleren Schatten gesessen und haben sich nur so viel wie nötig bewegt. Zum Glück reichte ihre Energie, um zu uns zu hoppeln. So konnten wir uns ein wenig mit ihnen anfreunden, schliesslich sind wir ja auch ihretwegen auf die Insel gekommen. Auf uns zu kamen sie natürlich, weil sie Futter erwartet haben, denn leider werden die Tiere sehr oft gefüttert; immer wieder auch mit Sachen, die sie gar nicht vertragen (Brot beispielsweise ist gar nicht gut für sie). Angetapst kamen aber nur einige wenige Quokkas, die anderen waren wohl nicht hungrig genug bzw. machte ihnen die Hitze zu schaffen. Dass die australischen Säugetiere (also Beuteltiere) mit heissen Temperaturen nur schlecht umgehen können, haben wir schon mehrfach festgestellt. Genau! Die Tiere dieses heissen Kontinents können nicht mit Hitze umgehen. Deshalb sind viele australische Tiere nachtaktiv. Tagsüber verkriechen sie sich im Schatten oder in kühle Erdlöcher. Da hat die Natur wieder mal viel Ironie an den Tag gelegt 😉 Quokkas sind übrigens wie Koalas, Kängurus und Co. Beuteltiere. Auf dem Festland sind sie praktisch ausgestorben, eine recht grosse Population lebt aber noch auf Rottnest Island. Die Insel heisst so, weil die holländischen Seefahrer zu Beginn dachten, bei den Quokkas handle es sich um grosse Ratten, und die Insel daher «Rattennest» tauften.






Die 16.30-Uhr-Fähre brachte uns dann wieder zurück aufs Festland, wo wir uns noch einen gemütlichen Abend mit weiteren Schweizern vom Campingplatz machten. Immerhin konnten wir noch einiges von unserem Hab und Gut weitergeben, das wir währenden den letzten Wochen und Monaten im Camper angesammelt hatten.

Am nächsten Tag war ja schon wieder Abgabetermin für unseren treuen Scotty. Auf dem Weg zu Apollo haben wir einen Halt beim Fremantle Prison eingelegt. Scotty parkiert und prompt hat es gleich auf die 10.30 Uhr Führung durch das Gefängnis gepasst. Die leicht euphorisch veranlagte Tourguidin hat uns innerhalb von 75 Minuten so viele Infos wie möglich vermittelt und so viele Orte / Räume gezeigt, wie eben in dieser kurzen Zeit drin lag. Das Gefängnis ist riesig (es bot Platz für 1000 Männer und 70 Frauen) und es wird gezeigt, wie sich die Zellen zwischen dem 19. Jahrhundert und Ende der 1980er-Jahre entwickelt haben, von der 2m2 kleinen Winzigkeit mit Hängematte bis hin zu immer noch nicht gerade schönen, aber etwas komfortableren Zellen. Unsere sehr unterhaltsame und kurzweilige Tour hiess «Doing time» also so viel wie «Zeit/Strafe absitzen». Wir wurden durch den ganzen Prozess geführt, den ein Häftling auch durchlaufen hätte, angefangen mit der Aufnahme und Inspektion. Auf der Tour erfuhren wir, dass ab dem Jahr 1849 erste Sträflinge von Grossbritannien nach Westaustralien verschifft wurden, meist wegen vergleichsweise kleinen Delikten wie Hühnerdiebstahl. Die Kolonie Australien benötigte dringend fähige und kräftige Männer, um die Entwicklung des Landes voranzutreiben; dazu eigneten sich die Sträflinge bestens. So mussten sie beispielsweise auch das Gefängnisgebäude selbst aufbauen. Das Gefängnis wurde mehrere Jahrzehnte lang genutzt, bis 1988 nach einem gewalttägigen Gefängnisaufstand beschlossen wurde, die Haftanstalt zu schliessen. Allerdings dauerte es noch mehrere Jahre – bis 1991 –, bis auch der letzte Häftling das Gebäude verliess. Heute zählt das Fremantle Prison zum Unesco-Weltkulturerbe und kann im Rahmen verschiedener Führungen besucht werden. Uns hat die Tour sehr beeindruckt.




Nach der Tour ging’s weiter zu Apollo, wo wir leider recht lange warten mussten. Der Apollo-Standort in Perth, an dem wir nun schon zweimal für eine Camperübernahme und einmal für eine -abgabe vorbeikamen, glänzte zu keinem Zeitpunkt mit Kompetenz oder gutem Service. In anderen Filialen haben wir das glücklicherweise ganz anders erlebt. In Perth hingegen wurden uns falsche Informationen über die Fahrzeuge gegeben und die Wartezeiten waren immer extrem lang. Aber gut, wir hatten Zeit und waren von daher recht entspannt. Als wir Scotty endlich abgegeben hatten (nicht, dass wir ihn loswerden wollten!!), ging es ab zu unserem Hotel im Zentrum von Perth. In unserem grosszügigen Studio fühlten wir uns sofort wohl.

Am ersten Tag strahlte die Sonne vom Himmel und so zog es uns in den enormen Kings Park, von dem man eine fantastische Aussicht auf die Stadt geniesst. Da wir mit drei Tagen genug Zeit zur Verfügung hatten, um Perth zu entdecken, nahmen wir es sehr gemütlich und verbrachten fast den ganzen Tag im Park, lagen im Schatten grosser, alter Bäume, lasen, picknickten und genossen einfach die Wärme. Später ging es via eine Brauerei am schönen Swan River (mit Tasting Paddle natürlich ;)) wieder zurück in die Stadt und auf Pub-Entdeckungstour.




Am nächsten Tag war das Wetter dürftig und so spazierten wir unter der grauen Wolkendecke zu einem grossen Outlet-Zentrum. Das Shoppingglück war uns nicht ganz so hold, aber das eine oder andere Schnäppchen wanderte in unsere Einkaufstüten. Später durften wir bei James Squire nochmals sehr gute Biere degustieren (yeeeeah, Tasting Paddle!!) und einen gemütlichen Abend in Perth verbringen. Allgemein ist Perth eine sehr relaxte Stadt und gefällt uns deshalb sehr gut. Ausserdem hat es hier die bisher besten lokalen Brauereien.



Heute hat es wie gesagt in Strömen geregnet und wir haben versucht, den Tag so gut wie möglich rumzubekommen (unser Flug geht nämlich erst um 23 Uhr). Aber mit ausgiebigem Shopping und relaxtem «Abhäängen» in den gemütlichen Bars war es dann schliesslich doch irgendwann soweit und wir brachen zum Flughafen auf. Und so ist es also das letzte Mal, dass ihr aus Down Under von uns hört. Denn wir nehmen nun Abschied von diesem wunderbaren Land, das uns in den letzten 18 Wochen immer wieder überrascht, manchmal herausgefordert und insgesamt einfach nur umgehauen hat.

Wir haben unsere Zeit in Australien unglaublich genossen – und freuen uns nun auf zu Hause!

3 thoughts on “Good bye Australia”

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