Am 23. Oktober trafen wir uns beim Fahrzeugvermieter, wo Sandra und Adi ihren Adventure Camper (ein Zwillingsfahrzeug von Frankie jr.) übernahmen. Bei dieser Gelegenheit konnten wir gleich die Stütze von Frankie jr. schmieren liessen, die nach unseren Flussdurquerungen so laut quietschte, dass wir sogar den Grillen im Busch Gehörschütze verteilen mussten.


Sobald die Kühl- und Vorratsschränke von Frankie jr. und seiner neuen Weggefährtin, Miss Rosie, gut gefüllt waren, ging die Fahrt im Mini-Konvoi los. Unser erstes Ziel war das Shady Camp im Mary River Nationalpark, ca. 250 Fahrkilometer von Darwin entfernt. Der Nationalpark wartet mit der weltweit grössten Population an Salzwasserkrokodilen, für die das Top End so berühmt ist, auf.
Salzwasserkrokodile sind deutlich grösser und aggressiver als ihre Verwandten aus dem Süsswasser. Darauf wird in der Gegend nördlich von Katherine, dem sogenannten Top End, immer wieder hingewiesen. Salzwasserkrokodile sind nicht zu unterschätzen; dennoch wollten wir sie gerne zu Gesicht bekommen. Leider liessen sie bei der umzäunten Aussichtsplattform (an allen anderen Stellen wird davon abgeraten, sich dem Wasser zu nähern) nur eine vereinzelte Nasenspitze oder kurz eine Rückenansicht blicken. Aber sie waren da! Belohnt wurden wir dafür mit grossen Schwärmen an Wasservögeln – unter anderem den lautstarken einheimischen Wildgänsen –, Wallabys in allen Grössen und einem herrlichen Sonnenuntergang.
Am nächsten Tag ging es weiter in den berühmten Kakadu Nationalpark, dessen Fläche grösser ist als jene der Schweiz, und der, wie sein Name schon besagt, Heimat zahlreicher Kakadus ist.

Als erstes besichtigten wir eine Stätte mit Aborigine-Felsenmalereien, die teilweise bis zu 5000 Jahre alt sein sollen. Manchmal war fröhliches Rätselraten angesagt, wenn es darum ging, herauszufinden, was auf dem Gestein abgebildet ist. Andere Malereien beeindruckten mit Intensität und Aussagekraft. Fantastisch war auch die Aussicht vom höchsten Punkt des kurzen Rundwegs. In der Ferne sahen wir wieder den Rauch verschiedener Buschfeuer. Wie wir im Aborigine-Kulturzentrum kurz nach Darwin erfahren haben, sind aber nicht alle Buschfeuer so gefährlich, wie sie wirken. Seit Urzeiten benutzen die Aborigines Feuer, um ihr Land zu bewirtschaften bzw. zu schützen, indem sie das trockene Gras am Boden abbrennen. Auf die Bäume und die Tierwelt haben diese kontrollierten Brände in der Regel kaum Auswirkungen. Beängstigend und gefährlich sind lediglich die ungewollten Brände, wie wir sie auf der Gibb River Road erlebt haben.


Der Abend auf dem Busch-Campground im Nationalpark war gemütlich und wir wurden von Sandra und Adi mit leckerem Kartoffelstock und Schweinsrahmschnitzel verwöhnt. Solche Menüs stehen seit einige Wochen nicht mehr auf unserer Speisekarte, deshalb freuten wir uns sehr darüber.
Tags darauf ging es zuerst nochmal zu einem Rundweg mit Felsenmalereien.


Danach folgte eines der Highlights unserer bisherigen Reise: Wir machten eine Flussfahrt auf dem Jim Jim Creek und dem South Alligator River. Der Flussname hier ist recht irreführend, gibt es doch gar keine Alligatoren, sondern «nur» Krokodile in Australien. Der Name ist auf einen Fehler eines – wie könnte es anders sein – eingewanderten Weissen zurückzuführen. Da wir recht spontan auftauchten, waren wir vier die einzigen Gäste und hatten das Boot und den Guide für uns alleine. Auf der der rund 1,5-stündigen Fahrt erläuterte uns Ruben verschiedene Bräuche seines Stammes und zeigte uns allerhand Tiere im und am Wasser. Er wies uns auf Seeadler, Eisvögel, ein Krokodil (hier hatten wir nun endlich unser Salzwasserkrokodil, wenn mit «nur» ca. 2 Meter Länge auch ein kleines) und vieles mehr hin und chauffierte uns dabei durch eine traumhafte Wasserlandschaft.


Nach den Strapazen des Tages leisteten wir uns zwei angrenzende Stellplätze auf dem Campingplatz einer Lodge, wo wir uns im Pool abkühlen konnten. Abkühlung ist bei den aktuellen Temperaturen und der derzeitig sehr hohen Luftfeuchtigkeit auch dringend notwendig. Die Einheimischen bezeichnen die Zeit, in der wir uns befinden, als «Build Up»: Sie meinen damit das Ende der Trockenzeit kurz vor der Regenzeit, in der die Luftfeuchtigkeit steigt und steigt, bis sich schliesslich Unmengen Wasser über das Land ergiessen und die Landschaft komplett verwandeln. Dann sind viele Strassen gesperrt und ganze Landstriche überflutet.
Heute Morgen haben uns Adi und Sandra leider wieder verlassen und sind Richtung Süden weitergezogen. Unsere Route ist zwar sehr ähnlich, wir haben aber etwas mehr Zeit dafür. Deshalb verbrachten wir nochmals einen Tag im Kakadu Nationalpark und fuhren auf einer recht abenteuerlichen 4×4-Strecke (Frankie jr. ist halt eben doch der Hammer und packt so ziemlich jede Herausforderung!!) zu einem Wasserfall. Unten sammelt sich das Wasser in einem grossen See, oben zuerst in mehreren kleinen Pools, bevor es in die Tiefe stürzt. Der steile und unwegsame Aufstieg hoch zum Wasserfall hat uns viel Schweiss gekostet, sich aber definitiv gelohnt. Die Aussicht war wunderschön!




Nun sitzen wir mit vollen Bäuchen auf dem Campingplatz in der ehemaligen Goldgräberstadt Pine Creek und hoffen auf eine angenehm kühle Nacht (hahaha – das Thermometer ist in den letzten Tagen auch nachts kaum je unter 26°C gefallen), damit wir morgen erholt Richtung Süden fahren können. Unsere Reise ist noch lange nicht zu Ende und wir halten euch gerne weiterhin auf dem Laufenden.