Nach unserer Übernachtung in Pine Creek, stand als Erstes nochmals der Besuch eines Nationalparks auf dem Programm. Katherine, die drittgrösste Stadt des Northern Territorys, nannte lange Zeit einen Nationalpark und vor allem eine ganze Schlucht ihr Eigen. Als ein weisser Entdecker auf die Schlucht stiess, war er sich nicht im Klaren darüber, dass sie bereits einen Namen hatte und benannte sie nach der Tochter eines Geldgebers. Erst vor einigen Jahrzehnten wurde der Katherine Nationalpark wieder in Nitmiluk Nationalpark umbenannt – und trägt damit wieder den Aborigine-Namen.

Erneut durften wir Wasserfälle und Schluchten bewundern. Und auch wenn es sich nach dem immer gleichen Programm anhören mag, so ist doch jeder Wasserfall und jede Schlucht einzigartig und völlig anders.


 

Die Nitmiluk Gorge ist grösser als alle Schluchten, die wir bisher gesehen haben. Da ein breiter Fluss durch sie hindurchfliesst, der auf den Seiten keinen Platz für einen Weg lässt, ist sie nicht wie kleinere Schluchten «bewanderbar». Wir entschieden uns daher für eine zweistündige Bootstour durch die ersten beiden der insgesamt dreizehn sich aneinanderreihenden Schluchten. Die frühmorgendliche Fahrt war sehr beeindruckend.


Danach ging es weiter Richtung Süden. In Katherine wurden nochmals die Vorräte aufgestockt, bevor wir die rund 1650 km lange Strecke zum Ayers Rock/Uluru unter die Räder nahmen. Mobilfunk-Empfang hatten wir in den darauffolgenden Tagen selten bis gar nie, weshalb wir auch erst jetzt wieder einen neuen Eintrag hochladen können.

Die Strecke zu Australiens Wahrzeichen punktet nicht gerade mit Abwechslungsreichtum, dessen waren wir uns bewusst. Dennoch wollten wir den Weg ins berühmte rote Zentrum unbedingt fahren. Und das eine oder andere Highlight gab es auf der Strecke dann natürlich doch. Die spannendsten Eindrücke fassen wir hier für euch zusammen.

Einen ersten Stopp haben wir bereits nach 30 km eingelegt, um die Cutta Cutta Caves zu besichtigen. Die sehr freundliche Rangerin führte uns durch eine Höhle 240 Meter tief in den Felsen, in der sich Millionen Jahre alte Stalagmiten und Stalktiten (so Tropfsteinzeugs) bestaunen liessen. Haben wir in der Schweiz zwar auch, aber dass da normalerweise 6 Fledermausarten, Schlangen und Spinnen drin leben (die Bewohner waren leider gerade ausgeflogen) ist doch etwas Neues; dass drinnen über 30 Grad herrschen auch.

Der Weg führte uns danach weiter bis Daly Waters. Endlich wieder mal ein Pub, wenn auch ein etwas in die Jahre gekommenes. Immerhin hatte es Charme, die Leute waren sehr nett und wir hatten sehr hübsche Nachbarn:


Danach legten wir einen Fahrtag ein, an dem wir gut 500 km vorankamen. Unterwegs hielten wir an, um eine historische Telegrafenstation zu besichtigen. Davon gibt es in der Gegend hier mehrere, mussten doch früher die Telegrafensignale alle paar hundert Kilometer verstärkt werden, um sie über die weiten Distanzen Australiens zu transportieren. Die Gebäude sind bestens erhalten und gaben einen guten Einblick in das Leben des Stationsteams, das sich darum kümmern musste, dass an 24 Stunden pro Tag Telegramme verschickt werden konnten. Ein Telegramm von England nach Australien brauchte damals übrigens 8 Stunden und war damit der schnellste Kommunikationsweg dieser Zeit.

An diesem Tag übernachteten wir auf dem wunderbaren Bush Campground direkt neben den Devil’s Marbles. Dabei handelt es sich um Gesteinsformationen – die meisten davon rund oder oval –, die sich auf einem weitläufigen Gebiet verteilen. Die Aborigines glauben, es handle sich um die Eier der Regenbogenschlange, die in ihrem Glauben und ihrer Schöpfungsgeschichte eine zentrale Rolle spielt. Besteigen ist daher verboten, man darf jedoch dazwischen herumwandern. Da wir gleich daneben übernachteten, hatten wir das Glück, die Steine auch im Licht der auf- und der untergehenden Sonne bewundern zu können. Die Farben waren prächtig.




Am nächsten Tag ging es weiter zu einem wahren Outback-Erlebnis. 70 km hinter dem Stuart Highway (der sich von Darwin ganz im Norden bis nach Adelaide ganz im Süden durch den Kontinent schlängelt) befinden sich die Edelsteinfelder Zentralaustraliens und genau diese waren unser Ziel. Auf einem staubigen, aber sehr heimeligen Campingplatz schlugen wir unser Nachtlager auf und wurden am nächsten Tag von einem freundlichen Guide noch tiefer ins Outback zu einem «gem field» gebracht, wo wir nach Edelsteinen schürfen sollten. Nach einem Kälteeinbruch im Zentrum Australiens (Sonne weg, durchschnittliche Tagestemperatur nur noch 25 statt die gewohnten 42 Grad) war die Edelsteinsuche deutlich weniger anstrengend als befürchtet. Fast drei Stunden lang wurde gepickelt, gesiebt, gewaschen und gesichtet und tatsächlich fanden wir mehrere «garnets» (deutsche Bezeichnung: Granat), einen Edelstein, der im Sonnenlicht rot leuchtet. Unsere Funde wurden anschliessend begutachtet und kategorisiert. Einige Steine sind ohne innere Bruchstelle und können durchaus verarbeitet werden. Mal schauen, ob und was wir irgendwann daraus machen lassen. Immerhin sind wir jetzt steinreich (also reich an Steinen, hehe).



Von Gemtree aus ging es mehr oder weniger direkt ins Rote Zentrum. Nach einem kurzen Halt bei einer Kamelfarm, wo Rennkamele für die arabischen Länder gezüchtet und wilde Kamele für Zoos gezähmt werden, machten wir noch einen Abstecher zu mehreren Meteoritenkratern (der grösste weist einen Durchmesser von 180m auf), wo wir auch übernachteten und einen wunderbaren Sonnenuntergang geniessen konnten.



Gestern Nachmittag trafen wir schliesslich in unserem derzeitigen Lager ein. Aufgrund der Nähe zum Uluru (10 km) wurde hier in den 80er-Jahren eine Retortenstadt aus dem Boden gestampft, um die Touristenmassen unterbringen zu können, die bereits damals zur heiligen Stätte der Aborigines pilgerten. Es gibt mehrere Hotels und Apartmentblöcke, Restaurants, eine Post, eine Bank und einen Supermarkt. Wir stehen mit Frankie jr. natürlich brav auf dem Campingplatz. Nachdem wir uns nun rustikalere, abgelegenere und einfachere Campgrounds gewöhnt sind, fürchteten wir uns etwas vor der Kommerzmühle, in die wir da hineingeraten sollten. Da die nächste Campingmöglichkeit 85 km entfernt ist – von den Kata Tjutas, von denen wir an einem anderen Tag mehr berichten werden, sogar über 100 km – hatten wir aber keine andere Möglichkeit. Und es wurde auch nicht so schlimm wie erwartet, denn wir sind in der Nebensaison unterwegs und obwohl es hier definitiv viel touristischer ist als überall sonst, geht es dennoch eher ruhig zu und her. Wider Erwarten fühlen wir uns sehr wohl hier – was auch daran liegen mag, dass wir gestern nochmals auf Sandra und Adi trafen. Sie fuhren unsere Route in entgegengesetzter Richtung, so dass sich unsere Wege erneut kreuzten. Die Wiedersehensfreude war gross, der Abend zu viert sehr gemütlich.


Heute Morgen haben wir den Uluru (der auch bei grauem Himmel unglaublich beeindruckend ist) erst einmal zu Fuss umrundet. Nun hoffen wir auf besseres Wetter, damit wir in Kürze noch mit Fotos des rot leuchtenden Monolithen aufwarten können.

An dieser Stelle ist somit also erst mal Schluss. Bis hoffentlich bald!

2 thoughts on “Der weite Weg ins Rote Zentrum”

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