In Alice Springs haben wir zuerst mal unser Hotel bezogen und waren ab unserem Apartment sofort begeistert. So viel Platz hatten wir in einem Hotel wahrscheinlich noch nie. Nach 6 Wochen in einem engen Camper weiss man so viel Platz umso mehr zu schätzen. Es war himmlisch und wir fühlten uns unglaublich wohl. Der Trennungsschmerz von Frankie jr. war so auch recht schnell verwunden. Dessen Abgabe beim Vermieter ging übrigens völlig problemlos und sehr kompetent über die Bühne (was man von der Übernahme in Perth nicht gerade behaupten kann…).
Alice Springs liegt ca. 200 km neben dem geografischen Zentrum Australiens und hat uns überraschend gut gefallen. Überraschend deshalb, weil wir bisher stets zu hören bekamen, Alice Springs habe überhaupt nichts zu bieten und sei keine schöne Stadt. Das können wir so nicht bestätigen; uns hat es gut gefallen (ausser nachts, wenn uns auf der Strasse dunkle Gestalten entgegenkamen, war es uns nicht ganz geheuer). Der Aborigine-Anteil in Alice Springs liegt deutlich über dem Landesschnitt. Die Probleme der indigenen Bevölkerung sind hier allgegenwärtig, obwohl wir auch das schlimmer erwartet hätten. Uns wurde im Vorfeld immer wieder erzählt, das Stadtbild sei geprägt von herumlungernden, betrunkene Aborigines. Das haben wir in der Form nicht gesehen. Dass viele Ureinwohner ohne Einkommen und Beschäftigung sind, deshalb nichts zu tun haben und den ganzen Tag herumhängen, ist aber eine Tatsache. So, wie wir es erlebt haben, sitzen oder liegen sie jedoch einfach gruppenweise auf jeder erdenklichen Grünfläche im Schatten eines Baumes. Was sie im Schilde führen, wenn sie des nachts an Strassenecken rumstehen, war uns aber nicht klar. Auch wenn wir nicht mal blöd angemacht wurden, ein ungutes Gefühl hatten wir jeweils dennoch.
Da «The Alice» eher klein ist und wir mit drei Tagen doch relativ viel Zeit hatten, nahmen wir es sehr gemütlich. Wir schauten uns an, was uns interessierte, und in der restlichen Zeit genossen wir unser Apartment. Kleines Beispiel: Endlich wieder mal Toast, Spiegeleier und Speck zum Frühstück (in der voll ausgestatteten Küche kein Problem – nicht mal das Geschirr mussten wir spülen, es hatte eine Abwaschmaschine, was für ein Luxus!!).

Zur Abwechslung ging’s (zum ersten Mal seit Darwin und zum zweiten Mal auf unserer Reise überhaupt) ausserdem ins Restaurant. Meret konnte endlich ihren Barramundi essen (das ist DER Fisch im Northern Territory; den trifft man hier überall an und ein grosses Exemplar zu fangen, ist der Traum eines jeden Fischers – und deren gibt es hier viele, denn Fischen zählt zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der [West- und Nord-?] Australier). Simu musste sich mit einem zarten, saftigen Rindsfilet begnügen 😉


Am ersten Tag in Alice Springs führte uns der Weg auf den Anzac Hill, einen Aussichtspunkt im Norden der Stadt. Von dort sieht man besonders gut, wie sehr die Stadt von Bergen und Hügeln umgeben ist. Gebaut wurde sie eigentlich auf der Fläche, die die beiden Flüsse (also, es soll hier tatsächlich zwei Flüsse geben; gesehen haben wir – wie fast überall auf unserer Reise – ausgetrocknete Flussbette) geebnet haben. Danach vertrieben wir uns die Zeit mit Kaffeetrinken und Shopping in der Todd Mall, einer Fussgängerzone.


Am zweiten Tag besichtigten wir die Basis des Royal Flying Doctor Service (RFDS). Grob vergleichen könnte man diesen vielleicht mit der Rega, denn die Organisation ist auf Rettungen und Überführungen spezialisiert. Allerdings wurde sie ins Leben gerufen, weil im Outback einige Leute so abgelegen wohnen, dass sie Stunden, wenn nicht Tage brauchen würden, um zu einem Arzt zu gelangen. Der RFDS garantiert medizinische Hilfe innert zwei Stunden, egal, wo in Australien man sich befindet. Die einzelnen RFDS-Basen decken dabei einen Radius von rund 1500 km (!!!) ab. Der Besuch war faszinierend und informativ.
Direkt gegenüber der Basis liegt das Reptile Centre, da konnten wir fast nicht widerstehen. Als wir eintrafen, fand gerade eine Präsentation statt, bei der drei Reptilien vorgestellt wurden und die wir auch alle anfassen durften. So kamen wir einem Bartagamen, einem Blauzungenskink und einem Olive-Python ganz nah. In den Gehegen trafen wir auf noch viel mehr Reptilien, einige davon verletzte Tiere, die aufgepäppelt wurden und nun im Centre ihren «Ruhestand» geniessen.

Am Abend durften wir dann endlich auf unseren langersehnten Ausflug ins Kangaroo Sanctuary, wo Brolga (einige kennen ihn vielleicht aus seiner BBC-Dokureihe «Kangaroo Dundee») bereits auf uns und ca. 20 weitere Leute wartete. Nach einer kurzen Erklärung, was man tun sollte, wenn man auf ein verletztes oder totes Känguru am Strassenrand trifft, schauten plötzlich zwei superknuffige Känguru-Babys aus der Tasche, die er bei sich trug. Während der nächsten gut zwei Stunden zeigte er uns sein Grundstück mit all den vielen Kängis. Zurzeit leben in seinem Sanctuary etwa 50 Kängurus, die aus irgendeinem Grund nicht mehr ausgewildert werden konnten. Grundsätzlich päppelt er die Hoppeltiere natürlich auf, um sie wieder in die Freiheit zu entlassen. Das ist aber nicht bei allen möglich. Brolga gab uns viele Informationen über das grösste Beuteltier, das Rote Känguru. Die zwei Baby-Kängis wurden abwechslungsweise in einer Tasche (so fühlen sie sich wie im Beutel von Mutti) von jemandem aus der Gruppe mitgetragen. Eine tolle Erfahrung.




Tags darauf stand ein Besuch im Alice Springs Desert Park auf dem Programm. Der Park ist eine Art naturbelassener Zoo und wir konnten sogar zwei Dingos streicheln. Der Dingo gilt als vom Aussterben bedroht und die beiden Exemplare des Parks kamen vor zweieinhalb Jahren mit 6 Monaten aus einem Aufzuchtprogramm in den Park. Sie sind zwar ziemlich zahm, aber trotzdem Dingos und damit wild. Trotz Training und Angewöhnung an den Menschen von klein auf sind es halt keine Hunde, sondern Wildtiere. Im Osten Australiens sind die Dingos ausgerottet worden, weil sie im wichtigsten Versorgungsteil des Landes das Futter der Menschen (Rinder, Schafe usw.) angriffen. Es wurde sogar ein über 5000 km langer Zaun mitten durch das Land gezogen, um die Dingos fernzuhalten. Dort, wo die Dingos noch leben, beispielsweise im australischen Zentrum, halten sie die Zahl der Kängurus auf dem natürlichen («gewünschten») Niveau; rund 70% der jungen Kängurus werden von Dingos gefressen. Im Osten hingegen fehlt die natürliche Reduktion durch die Wildhunde und die Känguruzahlen explodieren. Jedes Jahr werden deshalb tausende von Grauen Kängurus (ihr merkt, es ist nicht dieselbe Känguruart wie im Zentrum) von professionellen Jägern abgeschossen, um die Zahl zu regulieren. Daher kommen dann auch die Kängurusteaks in den Supermärkten und die Känguruburger in den Restaurants.



Nach dem Besuch im Desert Park ging’s direkt an den Flughafen und per Inlandflug an die Ostküste. Cairns ist die grösste Stadt, in der wir bisher waren. Es wimmelt hier von Backpackern und entsprechend hoch ist die Zahl an Bars und Restaurants. Es ist ein rechter Trubel und für uns nach der langen Zeit an der ruhigen Westküste und im abgelegenen Outback etwas ungewohnt. Gestern machten wir einen Tagesausflug ins malerische Regenwaldstädtchen Kuranda. Hoch ging’s mit einer alten Eisenbahn (Kuranda Scenic Railway) mitten durch den Regenwald, zurück mit einer Seilbahn direkt über das Blätterdach. Es war beeindruckend und den Ausflug definitiv wert.




Heute beginnt nun die nächste Etappe. Gleich holen wir den (riiiiesigen!) Camper für die Ostküste ab.
Wir halten euch auf dem Laufenden. Bis bald 😉