Die Übernahme unseres Riesencampers in Cairns verlief problemlos. Gleich danach haben wir ­– mit einem Einkaufsstopp im Woolworths – die kurze Reise nach Port Douglas (nördlich von Cairns) in Angriff genommen. Bereits nach kurzer Zeit merkten wir, dass dieses Riesending von Camper (7.70m lang und 3.5m hoch) doch ein wenig anders zu fahren ist als Frankie jr. Beim ersten Einparken auf einem normal grossen Parkplatz kamen wir ziemlich ins Schwitzen. Auf irgendeiner Seite ragte er einfach immer weit über die Parkbegrenzung hinaus. Als wir dann auch noch auf einer sehr kurvigen Küstenstrasse landeten, auf der wir nur im Schneckentempo vorankamen, sich hinter uns die Autos stauten (mit überholen war auf den meisten Abschnitten der engen Strasse nichts) und hinten im Wohnbereich das Geschirr und die Pfannen schepperten und klirrten wie wild, wollten wir am liebsten umkehren, den Camper zurückbringen und gegen etwas Kleineres umtauschen. Davon hat unser Stolz uns aber abgehalten. Vielleicht würden wir uns nach ein paar Tagen ja an das neue Gefährt gewöhnen.

In Port Douglas angekommen haben wir unseren Campingplatz rasch gefunden und erst mal alles ein wenig eingerichtet. In der Nacht haben wir dann feststellen müssen, dass im Regenwald ein Klima herrscht, das Schlafen in einem Alkoven nicht zulässt. Also haben wir mitten in der Nacht die Matratze usw. ins Heck gezügelt, wo normalerweise der Tisch ist, den man aber natürlich zu einem Bett umbauen kann, da der Camper ja für 6 Personen ausgelegt wäre. Und so haben wir uns jetzt (nach 5 Tagen) ziemlich gut eingerichtet und fühlen uns je länger je wohler, mit «Mo»! 😉

Sooo… Port Douglas: Ein Juwel von einem Städtchen! Man kann fast nicht anders, als sich dort wohl zu fühlen. Die ganze Stimmung, das gemütlich-häusliche und die vielen kleinen Beizli und Pubs laden zum Bier und Essen ein. Auch der Strand ist nicht zu verachten.


Am nächsten Morgen wurden wir von einem Quicksilver-Car direkt vom Campingplatz zum Hafen chauffiert und bestiegen unser Schiff. Die Poseidon brachte uns (12 Taucher und ca. 35 Schnorchler) zum Aussenriff des Great Barrier Reefs, wo wir drei Tauchgänge machen durften. Wir haben lange hin und her überlegt, ob wir uns so eine Massenveranstaltung wirklich antun wollen. Auf dem Schiff hätten bis zu 90 Leute Platz, davor hat uns gegraut. Kreti und Pleti fährt raus ins Barrier Reef, Boote mit wenigen Leuten gibt es nicht. Doch gerade wir als leidenschaftliche Taucher konnten uns das Grosse Barriere Riff ja fast nicht entgehen lassen.

Die Tauchgänge im 27°C warmen Wasser waren es auch der Wert. Das Riff ist besser intakt als es in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Von Korallenbleiche in dem Gebiet, in dem wir getaucht sind, keine Spur. Endlich haben wir nach Jahren des Tauchens auch Nemo gefunden! Ja, andere Anemonenfische haben wir natürlich schon oft gesehen, den falschen Clownfisch bisher aber noch nie. Auch den Filmcharakter Dory (Paletten-Doktorfisch) haben wir zum ersten Mal gesehen. Und natürlich noch ganz viele andere tolle Sachen 😉


Am nächsten Tag ging es wieder Richtung Süden. Unser nächstes Ziel war ein weiteres Tauch-Highlight an der Ostküste Australiens, die SS Yongala. Da die Strecke für einen Tag zu weit war, legten wir einen Überachtungsstopp im Küstenstädtchen Cardwell ein.

Mo hat nun mal nicht den besten Fahrkomfort und man kommt auch nicht so schnell vorwärts wie mit Frankie jr., deshalb mussten wir unsere Strecken ein bisschen anpassen. 500 oder 600 km pro Tag liegen nicht mehr drin. Gut, an der Ostküste müssen auch nicht unbedingt so lange Strecken zurückgelegt werden, denn der Osten ist sehr viel dichter besiedelt als der Westen oder das Zentrum, da kommt praktisch alle paar Kilometer wieder eine Ortschaft. Und wenn keine Ortschaft, dann doch wenigstens ein Verkaufsstand mit frischen Mangos, Avocados, Wassermelonen usw. Man kann die Bananen praktisch direkt vom Baum kaufen.

Etwas zu sehen gibt es immer. Im Moment fahren wir durch die Gegend, wo Zuckerrohr angebaut wird. Regelmässig kreuzen wir die Gleise der kleinen Zuckerrohrbahnen oder sehen von weitem, wie die Waggons mit Zuckerrohr beladen werden. Mittagspause machen wir wann immer möglich an einem schönen Ort. So sind wir schon an zwei wunderbare Bademöglichkeiten gelangt, die nicht weit vom Highway entfernt sind, und konnten uns im wunderbar klaren Wasser erfrischen und ein gemütliches Picknick zu uns nehmen.






So gelangten wir schliesslich ins Küsten-Kleinststädtchen Alva Beach, vor dem die SS Yongala liegt. Die Yongala ist ein 107 Meter langes japanisches Dampfschiff, das 1911 in einem Zyklon vor der Küste von Ayr sank und alle 122 Menschen an Bord in den Tod riss. Das Wrack wurde erst 1958 entdeckt. Mittlerweile ist die Yongala so stark mit Korallen bewachsen, dass sie kaum von einem Riff zu unterscheiden ist. Taucherisch interessant ist der Tauchplatz, weil das Wrack in einem Gebiet liegt, das weit und breit keine Riffstruktur aufweist. Als einziger geschützter Platz zieht es eine Vielzahl von Meereslebewesen an.

Dieses Wrack wollten wir natürlich unbedingt betauchen und so ging es am nächsten Tag los. Da die Tauchbasis (wohlweislich) auf ihrer Webseite keine genauen Angaben zum Tauchboot macht, wussten wir zwar, dass der Ausflug mit einem kleinen Boot stattfinden würde, wie klein es ist, war uns aber nicht bewusst. In einer winzigen Nussschale wurden wir mit 10 anderen Tauchern bei gut 2 Meter hohen Wellen auf das offene Meer hinausgefahren. Der Skipper gab Vollgas, das 500-PS-Boot wackelte gefährlich hin und her und schlug nach grösseren Wellen immer wieder so hart auf dem Wasser auf, dass es einem fast das Rückgrat brach. Die Passagiere an Bord wurden immer bleicher und bleicher. Allen voran Simu. Für die, die es nicht wissen: Simu wird sehr schnell sehr seekrank und betritt kein Schiff, ohne vorher ein starkes Medikament gegen Reisekrankheit eigeworfen zu haben. So hat er schon manchen Tauchausflug und ganze Schiffferien überstanden. Diesmal sollte es anders kommen, denn so ein Geschaukel haben wir noch nie erlebt. Die Fahrt zum Wrack dauert normalerweise 30 Minuten, da die See der Crew zufolge an diesem Tag besonders rau war, brauchten wir aber 40. Für Simu waren es die längsten 40 Minuten seines Lebens. Lange Zeit hielt er sich gut, kurz bevor wir am Ziel ankamen, schlug die Seekrankheit jedoch gnadenlos zu und er hing über der nicht vorhandenen Reling. Unter Wasser sei es dann besser, heisst es immer. Und tatsächlich ging es recht gut, sobald wir beim Wrack unten angekommen waren. Die Sicht war aufgrund des aufgewühlten Meers sehr schlecht, vielleicht so um die 5 Meter. Dennoch konnte man die tollen Weichkorallen und das pralle Fischleben beim Wrack erkennen. Die stationären Fische sind sich Taucher gewohnt und schwimmen so nahe an einem ran, wie wir es noch nie gesehen haben. Beim Auftauchen ging es dann leider mit der Seekrankheit wieder los. Die Taucher unter euch wissen, dass man beim Aufstieg auf 5 Meter Tiefe einen dreiminütigen Sicherheitsstopp einlegen muss. Die Wellen an der Oberfläche waren so hoch, dass es sogar in 5 Metern wieder anständig zu schaukeln anfing. Hoch und runter, hin und her. Die Yongala liegt wie gesagt mitten im offenen Meer, es gibt kein Riff oder eine Insel, die Schutz vor Strömung und Wellen bieten würde. Die Nussschale schaukelte also munter auf den Wellen hin und her, hin und her… Und so begann für Simu die längste Oberflächenpause seines Lebens. Da das Wrack recht tief liegt, muss man mindestens eine Stunde an der Oberfläche bleiben, bevor man wieder ins Wasser darf. Simu nutzte diese Zeit für seine Diät und verbrachte die Pause an und über der Reling. Er war jedoch in guter Gesellschaft, denn bis auf einen hingen alle männlichen Tauchgäste mindestens an einem Punkt mal über der Reling. Meret konnte Simu nur knapp zum zweiten Tauchgang überreden. Und tatsächlich ging es unter Wasser wieder etwas besser (gut ist anders!) – bis zum Sicherheitsstopp. Da begann es nämlich schon wieder zu schaukeln und zurück auf dem Boot kam die laaaaaange Fahrt zurück. Mau ufe, mau abe, mau linggs, mau rächts, mau füre, mau hingere, mau linggs mau rächts. Simu war einfach nur kaputt, als wir endlich wieder festen Boden unter den Füssen hatten – und etwa 5 kg leichter. Die Yongala ist zweifellos einer der tollsten Tauchplätze, an denen wir bisher waren, bei den Bedingungen hätten wir auf diesen Ausflug aber beide getrost verzichten können. Da die Sicht unten so bescheiden war, kam der Tauchplatz nicht wirklich zur Geltung. Aufwand und Ertrag hielten sich an unserem Ausflugtag also definitiv nicht die Waage.

Nach einem gemütlichen und erholsamen Abend auf dem Campingplatz in Alva Beach ging es am nächsten Tag weiter Richtung Airlie Beach. Dieses Städtchen ist Ausgangsort für Touren zu den berühmten und wunderschönen Whitsunday Islands. Wir hatten bereits von Cairns aus eine Tagestour mit zwei Tauchgängen gebucht, waren aber etwas skeptisch. Simu war nach dem körperlich doch sehr anstrengenden Tauchausflug am Tag zuvor noch recht «flattu». Wir waren denn auch nicht allzu traurig, als der Anbieter anrief und die Tour aufgrund des starken Windes und der grottenschlechten Sicht unter Wasser absagte. Zwar verpasst Meret nun den fantastisch-schönen Whitehaven Beach (Simu war vor 7 Jahren schon mal dort), aber wir waren beeindruckt von der Professionalität des Anbieters, der die Tour nicht einfach durchboxt, sondern um das Wohl der Gäste bedacht ist und das Geld diskussionslos rückerstattet (da könnte sich Yongala Dive eine grosse Scheibe davon abschneiden!).

Nun geniessen wir unseren Plegeri-Tag in Airlie Beach, sitzen gemütlich in unserem Home Office (Foto unten links) und freuen uns, nachher noch durch das charmante Backpacker-Städtchen schlendern, ein bisschen shoppen, ein paar Bierchen trinken und fein essen gehen zu können. Morgen geht es mit Mo nämlich schon wieder los, weiter Richtung Süden. Die Küste ist noch lang und es gibt noch viel zu sehen 😉


Gestern fand auf unserem aktuellen Campingplatz übrigens noch eine Vogelfütterung statt. Die Papageien wissen genau, wann es losgeht und versammeln sich pünktlich. Mit den Bildern dieser lustigen Erfahrung (verkratzte Arme inklusive) verabschieden wir uns. Adiö 😉


One thought on “Im Nordosten viel Neues”

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