Naja, das Weihnachtsgefühl hat uns irgendwie noch nicht so erreicht. Zwar haben wir inzwischen einen kleinen Tannenbaum im Camper (muss ja sein), aber damit hat es sich dann auch schon.

Die Quallen in South West Rocks haben wir auf jeden Fall überlebt. Somit fuhren wir tags darauf weiter in die kleine Ortschaft Forster, wo wir endlich wieder mal ein bisschen uneingeschränkten Sonnenschein geniessen durften. Unterwegs machten wir noch einen Abstecher nach Port Macquarie, wo es ein Koala-Spital gibt. Das spendenfinanzierte Zentrum kann kostenlos besucht werden. Es nimmt verletzte Tiere auf oder Jungtiere, die ohne Mutter aufgefunden wurden. Die Tiere werden tierärztlich versorgt, aufgepäppelt und danach wieder ausgewildert. In den Gehegen, die besichtigt werden können, sitzen Tiere, bei denen eine Auswilderung nicht mehr möglich ist (ein Tier beispielsweise hat bei einem verheerenden Buschfeuer vor einigen Jahren so schlimme Verbrennungen an Händen und Füssen erlitten, dass es nicht mehr gut klettern und damit nicht mehr in die Freiheit entlassen werden kann) oder Tiere, die bereit sind für die Auswilderung. Letztere kann man aber nicht sehen, denn ihre Gehege sind abgeschirmt, damit sie möglichst wenig Menschen zu Gesicht bekommen und als «wilde» Koalas in die Freiheit zurückkehren können. Weil wir das Koala Hospital eine sehr gute Sache finden, haben wir spontan einen Koala adoptiert. Leider heisst das nicht, dass wir jetzt einen beuteltierischen Reisegefährten haben. Man kann aus einem Katalog symbolisch einen ausgewilderten Koala auswählen und adoptieren. Der Adoptionsbetrag fliesst dann an das Koala Hospital. Wir haben uns für die süsse Findlay Jill entschieden. Viel können wir noch nicht über sie sagen, das Adoptionsmaterial wird uns erst noch zugestellt.


Am Nachmittag checkten wir auf einem super gepflegten Campground ein und hatten diesen riesigen Platz auch noch fast für uns alleine. Zuvor haben wir aber das Städtchen noch ein wenig ausgekundschaftet. Forster liegt am Lake Wallis, der eine Kulisse bietet, wie wir sie noch nicht so oft gesehen haben. Wunderschöne Badestege, Picknickplätze und im Wasser meterlange Sandbänke, über die Teenager rannten, als möchten sie Jesus neu aufleben lassen.


Beim Rumlaufen haben wir dann noch neue Freunde kennen gelernt! Die Pelikane zeigten sich von ihrer besten Seite. Zufälligerweise befanden sie sich gleich neben einer Fischputzstation und warteten dort wohl auf die Abfälle von den vielen Fischern. Da Fischen in Australien so beliebt und an sehr vielen Orten möglich ist, findet man in vielen Ortschaften eine öffentliche Fischputzstation, wo die fleissigen Würmlibader ihren Fang putzen und ausnehmen können. Auf den meisten Campingplätzen hängen in der Campküche und in den sanitären Anlagen Zettel, dass man hier keinen Fisch putzen darf, weil die motivierten Angler ihren Fang wohl einfach überall verzehrfertig machen wollen. Auf vielen Campingplätzen und Tankstellen kann man übrigens auch gefrorene Angelköder kaufen – manchmal ist die Kühltruhe für Angelköder grösser als jene mit Tiefkühlessen für Menschen.


Dann konnten wir auch endlich mal wieder im Meer baden. Die Wellen waren zwar etwas kleiner, aber nicht weniger spassig. Das Wasser wird deutlich kälter, je südlicher wir kommen. Deshalb gingen von uns beiden nicht alle ins Wasser 😉


Am nächsten Morgen wurden wir freundlich geweckt… von starkem Regen! Also haben wir unsere 7000 Sachen zusammengepackt und uns auf den Weg Richtung Hunter Valley begeben. Das Hunter Valley ist eine Region entlang dem Hunter River und liegt mit einer Fläche von knapp 30 km² ca. 120 km nordwestlich von Sydney. Das Hunter Valley gehört neben dem Barossa Valley zu den wichtigsten Weingebieten Australiens und baut hauptsächlich Weissweine und Shiraz, aber natürlich auch andere Traubensorten an. Grundsätzlich kann man hier einfach auf die Winerys fahren und Wein degustieren resp. natürlich auch kaufen. Die Weinkeller haben an 7 Tagen die Woche geöffnet und empfangen die Kunden sehr zuvorkommend, beraten und informieren über ihre Weine. Hinzu kommt, dass die hügelige Landschaft des Hunter Valley sehr schön ist.


Wir waren auf fünf verschiedenen Weingütern. Gestartet sind wir auf dem Calais Estate, dann ging’s weiter zu First Creek Wines, danach zur Audrey Wilkinson Winery. Als Fahrer wird man an solchen Tagen sehr gefordert, da man wirklich nur einen kleinen Schluck trinken und nicht (wie sonst immer) die Degustationsmenge austrinken darf. Als zweitletztes besuchten wir einen Familienbetrieb, die Drayton’s Family Wines, und als «perfekter» Abschied hat es uns noch zu den Hanging Tree Wines verschlagen, wo es uns mit Abstand am besten gefallen hat.


Die Winery ist landschaftlich extrem schön gelegen und der «Celler Door Manager» hat uns auch super bewirtschaftet. Da wir gerade die einzigen Kunden waren, hatten wir die volle Aufmerksamkeit. Gekauft haben wir überall etwas, denn die Weine sind alle gut. Am Schluss belief sich unsere «Ausbeute» auf 6 Flaschen Rotwein und eine Flasche Dessertwein.


Auf dem Campingplatz angekommen begaben wir uns zum Abendessen ins Pub gleich über die Strasse. Da hat auch der Fahrer noch was abbekommen 😉
Das Pub betreibt eine eigene Brauerei, die natürlich auch noch getestet werden musste.


Geschlafen haben wir auch ziemlich gut und starteten am nächsten Tag voller Energie auf unsere Weiterfahrt in die nächst grössere Stadt, wo wir dann endlich auch mal wieder 3 Nächte unser Fahrzeug stehen lassen konnten. Die Anfahrt durch dir Vororte von Sydney war ziemlich anstrengend, da Mo in den letzten Tagen auch nicht kleiner geworden ist und immer noch in etwa zu lenken ist wie ein kleiner Güterzug. Von unserem Campingplatz aus schafften wir es mit dem Zug innert 30 Minuten ins Zentrum von Sydney. Ein paar weitere Fahrminuten mit der Fähre brachten uns auf die andere Seite des Hafens, wo wir freundlicherweise von unseren Kollegen Brian und Murray (Dingomix) abgeholt wurden und wo wir einen gemütlichen Abend verbrachten. Karin und Brian haben wir vor dreieinhalb Jahren beim Tauchen in Thailand kennengelernt. Sie wohnen im gemütlichen und sehr idyllischen Stadtteil Balmain. Am nächsten Tag starteten wir mit den beiden sehr früh zu einem vormittäglichen Tauchtrip vor Manly Beach. Die Tauchgänge waren anders als erwartet. Mit 20°C war das Wasser zwar empfindlich kalt, aber es war interessant, mal wieder etwas Anderes zu sehen. Tropische Fische und farbenfrohe Korallen, wie wir es von unseren Tauchferien her kennen, sucht man hier vergebens. Den Boden bedecken grosse Felsblöcke und Kelp (grossblättriges Seegras). Nebst vielen Nacktschnecken haben wir zwei Rochen, mehrere Igelfische, die lustigen Riesenlippfische (blue grouper), die einem frech vor die Linse schwimmen, und noch viel mehr gesehen. Die Gegend ist bekannt für Haie (Port Jackson shark und grey nurse shark) und Seedrachen (weedy Seadragon), diese haben wir aber leider nicht gefunden.
Nachdem wir uns wieder aufgewärmt hatten, verbrachten wir den Nachmittag mit Karin und Brian in Balmain, wo wir sehr fein assen und ein bisschen im Quartier herumspazierten.
Am nächsten Tag stand Sightseeing in Sydney auf dem Programm. Die Stadt hat sehr viel zu bieten und ist extrem abwechslungsreich. Da wir schon zum zweiten bzw. dritten Mal hier sind, haben wir es aber gemütlich genommen und uns auf einen kleinen Radius beschränkt. Uns hat es wieder mal sehr gut gefallen hier. Ausserdem liefen wir noch zwei bekannten Gesichtern über den Weg und haben mit ihnen über ein paar Bier in einem sehr gemütlichen Beizli Reiseerlebnisse ausgetauscht.




Nach den drei Tagen mussten wir weiter, damit wir die Strecke bis Melbourne in «humanen Etappen» schaffen. Zwar sind die Strassen seit Brisbane viel besser geworden und der Fahrkomfort ist deutlich gestiegen, dennoch schaffen wir mit Mo immer noch keine langen Strecken. Nach längerem hin und her haben wir uns dann doch für den kleinen Umweg über die Blue Mountains entschieden. Sie sind ab Sydney gemütlich in einem Tag erreichbar (just around the corner) und bestehen aus mehreren Bergen, die dicht mit Eukalyptus bewachsen sind. Ihren Namen «Blue Mountains» haben sie vom bläulichen Dunst. Die Blätter der Eukalyptusbäume verdunsten ein ätherisches Öl, dessen feiner Nebel über den Bergen liegt und von weitem bei Tageslicht einen blauen Schimmer verursacht. Die ältesten Felsen stammen aus der Zeit von vor 470 bis 330 Millionen Jahren und die höchsten Felsen sind heute über 1000 m hoch.
Die Gegend wäre ein wahres Wanderparadies. Da wir beide im Moment etwas schlapp sind, konnten wir uns aber zu keinem Trail aufraffen – zum Glück, denn wir wären aufs übelste verregnet worden; das Wetter hier kann zuweilen wirklich sehr wechselhaft sein. Die berühmten Three Sisters (Foto; die drei Felsblöcke links im Bild) haben wir dennoch gesehen und es gibt auf der Strecke zurück an die Küste auch sonst noch einiges zu besichtigen. Müde sind wir übrigens deshalb, weil unser Campingplatz in Sydney direkt an einen Nationalpark grenzt und von sehr vielen Vögeln, vor allem dem Nationalvogel – dem Kookaburra (lachender Hans) – bevölkert wird. Eigentlich sehr schön, denn der Kookaburra ist ein toller Vogel, er sieht irgendwie so fluffig aus und hat einen sehr ausdrucksstarken Kopf (Foto – ist zwar aus einem Zoo, aber damit ihr ihn seht). Aber wenn rund 15 Kookaburras morgens um 5 mit ihrem Gelächter und Gequietsche loslegen – und das direkt neben dem Camper (teilweise hörten wir sie auch auf dem Camperdach rumtapsen), dann ist an Schlaf für eine Weile nicht mehr zu denken. Und wir glaubten bis jetzt, nur die Kakadus seien so schlimm, denn die machen auch einen Höllenlärm. Die Nächte waren also eher kurz, denn ins Bett kamen wir in den Sydney-Tagen auch nie früh. Die Nacht in den Blue Mountains war wesentlich entspannter, dafür wurden wir heute mit Nebel empfangen. Mal schauen, was der Tag noch bringt.


Fröhliches Mandarinenessen und Nüsseknacken euch allen!
Hallo ihr beniedenswärte Weltenbummler!
Danke für die hoch interessanten Berichte mit den tollen Fotos. Das gibt ja schon bald ein Buch!! Ihr seht auch immer gut und glücklich aus vor den abwechslungsreichen Kulissen. Das gefällt mir am besten!
Liebe wunderschöne sonnige Dezembergrüsse und weiterhin viel Glück und Spass
Jeanne