Es tut uns leid, aber ihr werdet in diesem Blog mit Tier- und Strandfotos bombardiert. Wer das nicht verkraftet, kann ja den nächsten Eintrag wieder lesen 😉
Die Spirit of Tasmania, die uns in etwa 11 Stunden die 429 km von Melbourne nach Devonport in Tasmanien transportierte, wartet mit einem Selbstbedienungsrestaurant, 3 Bars, zwei Kinosälen, einem Spielsalon und mehreren Gaming-Räumen mit Playstations und Co. auf. Wir hatten eine Zweibettkabine auf der Aussenseite, also mit Fenster. Auf unseren rund 12 m2 standen uns unser eigenes kleines Bad sowie ein kleiner Schreibtisch (den wir allerdings nicht benutzten ;)) zur Verfügung. Die Überfahrt selbst gestaltete sich dann ziemlich ruppig. Wer hätte auch gedacht, dass in ein 194 m langes, 30’000 Tonnen schweres Schiff, das 500 Standardfahrzeuge und 1400 Passagiere zu fassen vermag, so viel Bewegung kommen kann. Zwar wurden wir im Bett nicht hin und her gerüttelt, die Auf- und Abwärtsbewegungen auf den bis zu 2 m hohen Wellen waren aber sehr gut spürbar, ausserdem gingen auf dem Autodeck durch das Gerüttel immer wieder Alarmanlagen los. Die Nacht war also nicht gerade erholsam, denn wir erwachten immer wieder. Mit Schifffahren haben wir einfach kein Glück…
So trafen wir etwas übermüdet in Devonport ein und steuerten als Erstes die Europcar-Filiale im Fähren-Terminal an. Da wir uns gemütlich noch einen Kaffee an Bord der Fähre gegönnt hatten, war der grosse Andrang beim Autoverleih schon vorbei und der sehr freundliche (was auch sonst, ist schliesslich ein Australier) Adam hatte viel Zeit für uns. Vor der Tür stand tatsächlich das Auto, das wir gebucht hatten, nämlich der schnittige Volvo V40 T4. Ist ja nicht selbstverständlich, dass man auch wirklich das gebuchte Fahrzeug bekommt. Adam erklärte uns die wichtigsten Features des modernen Volvos und gab uns noch den Tipp, in der 5 bis 10 Minuten entfernten Schokoladenfabrik (just around the corner) gäbe es sehr gutes Frühstück. War ja auch erst 7 Uhr früh 😉 Also fuhren wir ins House of Anvers, genehmigten uns eine heisse Schokolade und anständige Frühstücksteller, bevor wir erst mal ein bisschen Zeit totschlagen mussten. Unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte war nämlich nur eine gute Fahrstunde entfernt und erst ab 15 Uhr verfügbar. Also zurück nach Devonport, wo wir im Coles unsere Vorräte aufstockten. Zwar sind wir jetzt per Mietauto unterwegs, wir übernachten aber immer wieder in sogenannten Self-contained accomodations, die über komplett ausgerüstete Küchen verfügen und bei denen teilweise nichts ist mit Auswärtsessen, da sie sehr abgelegen sind. Danach fuhren wir ein bisschen in Devonport herum, schlenderten durch die sehr kleine Fussgängerzone und machten einen Abstecher zum Leuchtturm.


Das Wetter war strahlend schön, das Thermometer kletterte aber gerade mal auf 18°C. Nicht gerade sehr warm also und mit dem starken Wind auch nicht besonders angenehm draussen. Irgendwann konnte es dann aber losgehen Richtung Unterkunft. Auf dem Weg konnten wir auf einem kurzen Walk noch den beeindruckenden Leven Canyon bewundern. Die Fahrt in «Arrow» war einfach nur unglaublich angenehm. Er liegt sehr gut in den Kurven, es holpert und schwankt nichts und wenn wir parkieren wollen, können wir einfach hinfahren und ihn abstellen. Nicht lange suchen, nichts lange manövrieren, hinstellen und gut. Es ist himmlisch!
Kurz vor 15 Uhr trafen wir bei Mountain Valley Wilderness Holidays ein, unserer ersten Station auf Tasmanien. Diese Destination haben wir uns ausgesucht, weil man dort Tasmanische Teufel sehen kann. Die Besitzer haben Ende der 1970er-Jahre sehr viel Land gekauft und damit begonnen, einzelne Holzbungalows zu bauen. Heute gelten sie als «Private Nature Reserve», weil sie den unzähligen Wildtieren ein geschütztes Refugium auf Privatbesitz bieten. Mittlerweile sind noch einige Cabins dazugekommen. Der Ort liegt sehr abgelegen, die Cabins sind aber sehr gut ausgestattet. Nicht ganz neu, aber wir haben uns sofort sehr wohl gefühlt.


Im Preis inbegriffen sind allabendlich kurze Spaziergänge zum Fluss, wo man in ruhigen Abschnitten mit etwas Glück Schnabeltiere zu Gesicht bekommt. Am ersten Abend hatten wir tatsächlich Glück und haben ein «Platypus», wie sie auf Englisch heissen, auf Futtersuche gesehen. Die eierlegenden Säugetiere tauchen für mehrere Minuten ab, suchen unter Wasser nach Insektenlarven oder kleinen Krebsen und reisen dabei pro Nacht im Schnitt 7 km. Für ein Foto war es leider zu weit weg, deshalb müsst ihr euch mit Bildern der wunderschönen Abendstimmung am Fluss begnügen.


Auf unserem Abendspaziergang stiessen wir zudem auf einen Wombat. Der arme Kerl war in einem elenden Zustand, nicht zu vergleichen mit den properen Exemplaren im Wilsons Promontory. Len, der Besitzer und grosse Tier- und Naturkenner, erzählte uns, dass immer mehr Wombats in Tasmanien und teilweise auch auf dem australischen Festland an Räude leiden. Ihnen fallen die Haare aus, die Augen schwellen ihnen zu und sie sind wirklich kein schöner Anblick, obwohl das Tier, das wir angetroffen haben, munter am Fressen war. Verursacht wird die Räude Len zufolge durch Läuse wie sie in Europa bei Füchsen anzutreffen sind. Für Wombats sind die Parasiten aber nicht so harmlos und sie sterben daran ;( Allerdings ist man noch nicht ganz sicher, ob wirklich nur Läuse das Problem sind oder ob es (noch) eine andere Ursache gibt.
Zurück in unserem Bungalow stand der nächste Punkt auf dem Wilderness-Programm: Jeden Abend wird vor den Bungalows Fleisch ausgelegt. Danach installiert man sich gemütlich auf dem Sofa und wartet, bis sich die Teufelchen zeigen. Sie kommen leider erst, wenn es wirklich dunkel ist – und das ist hier im Moment erst nach 22 Uhr. Für uns eine harte Probe, denn wir waren von der Nacht zuvor ja noch ziemlich übernächtigt. Dennoch haben wir zwei Tüpfelbeutelmarder (Englisch: quoll) gesehen, die neben den Tasmanischen Teufeln ebenfalls zu den fleischfressenden Beuteltieren zählen. Sie haben sich direkt vor unserer Veranda an den Fleischstücken gütlich getan und wir konnten sie aus nächster Nähe beobachten. Ebenfalls sehr nah kamen ein ausserordentlich grosses Possum und sein Jungtier. Die Teufelchen liessen sich leider nicht blicken und nachdem wir mehrmals auf dem Sofa eingeschlafen waren, verschoben wir uns um 1 Uhr früh ins Bett. Auf den Fotos ist eines der Quolls abgebildet, leider sind die Bilder nicht scharf geworden, da wir durch die Scheibe hinaus in die Nacht fotografiert haben und die Tiere ständig in Bewegung waren.


Am nächsten Tag haben wir einen Ausruhtag eingelegt. Die Sonne schien und wir sassen draussen in unserem Gärtchen, haben gelesen, Hörbuch gehört und Pläne geschmiedet. Aktiv wurden wir erst gegen Abend, als wieder der Platypus-Spaziergang auf dem Programm stand. Diesmal hatten wir leider kein Glück. Dafür nahm Len uns direkt nach dem Spaziergang mit in eine Höhle, die ebenfalls auf ihrem Grundstück liegt. In geliehenen und etwas zu grossen Gummistiefeln stiegen wir über lehmige und unwegsame Stufen im Halbdunkel 20 m in die Tiefe. Zum Glück konnten wir uns dabei an einem Seil festhalten. Nach einem kurzen Abstecher in ein Tunnelsystem ging es zurück in den grottenartigen Höhleneingang, wo sich hunderte von Glühwürmchen befinden. Wir konnten einige sogar ganz aus der Nähe betrachten. Von ihrer Position aus hängen dünne Fäden, vergleichbar mit einzelnen Fäden eines Spinnennetzes, nach unten. Im Englischen bezeichnet man diese als «fishing lines», also Angelschnüre. Durch das Leuchten der Würmchen werden Insekten angezogen, die sich dann in diesen Fäden verheddern, sodass die Würmchen sie fressen können. Der Anblick der zahllosen glühenden Punkte in der Dunkelheit war fantastisch.
Zurück im Bungalow mussten wir uns sofort für die Teufelchen parat machen. Sofa vors Fenster und ab in Position gebracht. Die Beutelmarder haben wir diesmal verschlafen, dafür war Simu zum Glück gerade wach, als um 00.40 Uhr endlich der erste Tasmanische Teufel auftauchte. Er (also der Teufel, nicht Simu!) stopfte ein Fleischstück nach dem anderen in sich hinein und wir konnten ihm ziemlich lange zuschauen. Als er weg war, tauchte sofort ein zweites Exemplar auf und schnappte sich das letzte verbleibende Fleischstück. Len hatte für diesen Abend eine Kamera mit Bewegungsmelder auf unserer Veranda angebracht, die die tierischen Aktivitäten aufzeichnete. Deshalb wissen wir auch, dass wir ein Quoll verschlafen haben. Und dass gegen halb vier Uhr morgens noch ein dritter Tasmanischer Teufel kam, den wir aber natürlich verpassten. Es war echt toll, die vorsichtigen und sehr scheuen Tiere so aus der Nähe beobachten zu können. Sie sind gar nicht so «gfürchig», wie sie immer dargestellt werden, sondern eigentlich sehr niedlich. Die Bilder stammen aus der installierten Kamera und entsprechen den Szenen, die wir live beobachten durften. Man achte auch auf die Temperaturangabe unten im Bild. Es wird hier abends und nachts ziemlich kalt, zumal wir Hochsommer haben 😉


Am nächsten Tag hatten wir eine längere Fahrstrecke vor uns, denn es ging vom Landesinnern an die Ostküste Tasmaniens. Mit Arrow war die Fahrt aber kein Problem und wir waren sogar schneller als das Navi vorausberechnet hatte, da wir auf den Bergstrecken Zeit gutmachen konnten. Haben wir schon gesagt, wie toll wir Arrow finden? 😉
Unsere Unterkunft für die nächste Nacht war ein modernes, schönes Holzcottage auf der Freycinet Halbinsel. Am nächsten Vormittag ging es nach einem ausgiebigen Frühstück (unser erstes Hotelfrühstück seit Beginn unserer Reise) in den Freycinet Nationalpark. Dort liegt die berühmte Wineglass Bay, die wir von einem Aussichtspunkt bewundern wollten. Den Ausblick muss man sich allerdings verdienen: Der Walk ist zwar nicht besonders anspruchsvoll, es geht aber anständig in die Höhe. Der Aufstieg hat sich aber auf jeden Fall gelohnt!


Danach ging’s an zwei weitere Spots im Nationalpark: Zuerst zum Cape Tourville Lighthouse, von wo aus wir auf einem vorgelagerten Felsen einige Seebären erspähten, und anschliessend zur wunderschönen Sleepy Bay, an der wir uns fast nicht sattsehen konnten.




Nachdem wir uns doch vom fantastischen Ausblick losreissen konnten, fuhren wir bei strahlend schönem Wetter rund 100 km zu unserer nächsten Station, dem kleinen Küstennest Scamander. Unterwegs stoppten wir kurz in einer Mikrobrauerei, wo wir bei schönstem Hintergrund 6 ihrer Biere probierten.

Gestern ging es von Scamander aus nochmals knapp 50 km weiter nördlich die Ostküste Tasmaniens hinauf. Dort liegt die Bay of Fires mit ihren wunderschönen Buchten und Stränden. Das Wetter war leider nicht ganz so schön wie am Tag zuvor und der Wind blies sehr anständig, die tolle Umgebung entschädigte uns aber für alles. Am besten lassen wir einfach die Bilder für sich selbst sprechen:


Nach einer weiteren Nacht in Scamander geht es heute zurück ins Inland und dann ein bisschen kreuz und quer über die tolle Insel, die man Tasmanien nennt. Kreuz und quer deshalb, weil ja unser 9-tägiger Farmaufenthalt, der eigentlich gestern hätte beginnen sollen, gestrichen wurde und wir die Lücke so füllen wollten, dass wir möglichst viel von Tasmanien sehen.
Wir halten euch weiterhin auf dem Laufenden.