Von Scamander fuhren wir zurück ins Inland, nämlich nach Launceston. Da wir noch nicht in unser Hotel einchecken konnten, machten wir einen Abstecher in eine kleine Schlucht, die nur etwa 3 km ausserhalb der Stadt liegt. Wir waren etwas überrascht, denn statt auf wilde Natur trafen wir auf eine Art weitläufige Parkanlage mit Hängebrücke und Sessellift (ja, die Australier gehen nun mal nicht so gerne zu Fuss ;)). Besonders beeindruckt hat uns der Ort also nicht, aber mitten im Fluss und nur etwa 100 m von uns entfernt entdeckten wir einen grossen Seebären, der sich auf einem Felsbrocken sonnte. Vor ein paar Tagen stand in den News, in Launceston habe sich ein Seebär auf ein Auto gesetzt. Könnte gut derselbe gewesen sein, denn für seine grosse Population an Seebären ist Launceston eigentlich nicht bekannt.
Zufälligerweise ist in Launceston die Brauerei für das bekannte tasmanische Bier «James Boag’s» zu Hause, das zugleich auch unser Lieblings Tassie-Bier ist. Die Tour durch die Brauerei mit anschliessender Degustation hatten wir – auch wie durch Zufall – bereits zwei Wochen zuvor gebucht. In Sicherheitsmontur (Leuchtweste, Schutzbrille und Ohrstöpsel) wurden wir durch die Brauerei geführt. Die Tour war interessant und unterhaltsam, das Bier wie gewohnt sehr gut – sogar die Ales! Gegründet wurde die Brauerei 1881, heute beschäftigt sie 150 Mitarbeiter und produziert jedes Jahr 76 Millionen Liter Bier. Lange war die Brauerei sehr klein und nur in der Region rund um Launceston bekannt. Mit Einführung des Top-Sellers «Boag’s Premium Lager» hat sich das geändert. Verglichen mit den ganz grossen wie VB, XXXX oder Toohey’s (die Australienreisenden sicherlich bekannt sind) ist Boag’s zwar immer noch klein, aber dennoch mittlerweile auch auf dem Festland gut bekannt.



Tags darauf verliessen wir Launceston bereits wieder und «arrowten» an die Nordküste, in das wunderschöne kleine Städtchen Stanley. Hier fühlt man sich sofort einige Jahrzehnte zurückversetzt, aber auch sehr wohl. Vor Kurzem wurde dort ein Film gedreht («The Light between Oceans»), der in den 1920-Jahren spielt. Um die perfekte Kulisse zu haben, mussten lediglich der Asphalt von der Strasse gerissen und die Geschäfte anders beschriftet werden – fertig. Direkt neben Stanley liegt «The Nut», ein sehr markanter Fels (Berg?? Denn er ist 152 m hoch), den wir bei strahlendem Sonnenschein «bestiegen». Oben gibt es einen ca. 45-minütigen Rundweg, bei dem man spektakuläre Aussichten geniesst. Als wir ein kurzes Waldstück durchquerten, trafen wir ausserdem auf mehrere scheue Pademelons (sprich: Pädimeläns), eine kugelrunde Wallaby-Unterart. Für die grundsätzlich eher bewegungsfaulen Australier steht auch hier ein Sessellift zur Verfügung – die 430 m bergauf trauten wir uns aber gerade noch zu!


Von Stanley aus machten wir einen Tagesausflug an Tasmaniens atemberaubende Westküste. Geprägt ist sie durch schroffe Felsen, hohe Wellen und schöne Farbkontraste. Unterwegs sahen wir vom Auto aus mehrere (lebende!!) Echidnas (zu Deutsch: Ameisen- oder Schnabeligel) am Strassenrand herumwatscheln. Leider immer an Stellen, wo ein sicheres Anhalten nicht möglich war. Das «lebend» betonen wir übrigens deshalb, weil wir in Australien allgemein, aber besonders in Tasmanien auf sehr viel «Road Kill», also auf überfahrene Wildtiere, gestossen sind. Teilweise liegt alle paar Meter ein totes Känguru am Strassenrand – oder noch schlimmer: mitten auf der Strasse. Dadurch sterben dann noch mehr Tiere, denn die Kadaver ziehen tagsüber Raubvögel und in der Nacht Aasfresser wie Tasmanische Teufel oder Tüpfelbeutelmarder an, die dann ebenfalls überfahren werden. Ein paar Tage später erfuhren wir in einem Wildlife Sanctuary, in Tasmanien würden weltweit am meisten Tiere auf der Strasse überfahren. Kein schöner Rekord :/
Zur Aufheiterung etwas Erfreulicheres, nämlich die Bilder unseres Tagesausflugs an die zwei Westküsten-Spots «Bluff Hill Point» und «World’s Edge»:




Nach den zwei Nächten in Stanley ging es einmal quer über die ganze Insel runter in den Süden, wo wir uns für drei Nächte in Tasmaniens Hauptstadt Hobart einnisteten. Es hat uns gut gefallen in der kleinen Stadt, besonders haben wir uns auch in unserem Studio sehr wohl gefühlt.


Am ersten Tag ging es von Hobart aus ins rund 25 km entfernte «Bonorong Wildlife Sanctuary». Das Sanctuary geniesst einen sehr guten Ruf und machte auf uns den besten Eindruck aller Sanctuarys, die wir bisher besucht haben. Die Mitarbeiter sind extrem engagiert, die Tiere haben viel grössere Gehege als andernorts und sie betreiben eine 24-Stunden-Hotline für verletzte Wildtiere. Dort ging Merets grosser Traum in Erfüllung, denn wir hatten ein Wombat Encounter gebucht. Zusammen mit einem Pärchen aus Melbourne durften wir uns 10 Minuten lang mit der 14 Monate alten Maria beschäftigen. Maria kam als Winzling ins Sanctuary, weil ihre Mutter überfahren wurde. Die verantwortliche Autofahrerin schaute aber zum Glück im Beutel nach, fand dort die kleine Waisin und brachte sie ins Sanctuary. Wir haben erfahren, dass junge Wombat sehr gut ausgewildert werden können, auch wenn sie als Jungtiere völlig handzahm sind. Mit etwa zwei Jahren beginnen die Einzelgänger, ihr Revier zu verteidigen – auch gegen ihre Pfleger, die sie ab dann als feindliche Wombats betrachten. So haben ausgewilderte Wombatwaisen auch eine Überlebensrate von gut 90 Prozent. Leider war es an unserem Besuchtstag mit rund 28 Grad für tasmanische Verhältnisse sehr warm und Maria war es am Schatten und schlafend am wohlsten. Fotos waren daher gar nicht so einfach, weil sie sich ständig in die Ecken legte. Einige Schnappschüsse gelangen uns aber trotzdem und einmal über ein so weiches Wombatfell streicheln zu dürfen, war ein tolles Erlebnis. Ausserdem durften wir Forester-Kängurus füttern und streicheln und konnten an einer kostenlosen Führung teilnehmen, bei der wir mehr über Wombats und Tasmanische Teufel erfuhren. Insgesamt ein sehr schöner 24. Dezember.







Am 25. Dezember unternahmen wir einen Tagesausflug auf den etwa 30 km entfernten, aber eigentlich direkt neben Hobart gelegenen Mount Wellington. Es war gar nicht so einfach, eine Tagesbeschäftigung zu finden, denn in gesamt Australien hat am Weihnachtstag so ziemlich alles zu. Auch Museen oder Touren, die grundsätzlich 7 Tage pro Woche offen sind bzw. durchgeführt werden, können dann nicht besucht werden («operates/open every day except Christmas Day» liest man überall). So mussten wir auf etwas ausweichen, bei dem kein Ticketverkauf, kein Busfahrer oder ähnliches involviert war. So ziemlich alle Hobart-Touristen schienen auf dieselbe Idee gekommen zu sein wie wir, zumal es prächtigstes Wetter war. Zum Glück ist das Gebiet recht weitläufig und wir konnten den Menschenmassen einigermassen aus dem Weg gehen. Gefährlich wurde es nur ab und zu auf der sehr schmalen Strasse ohne Mittellinie. Nicht alle Touristen scheinen genau zu wissen, wie breit ihre Mietwagen sind. Teilweise kamen sie uns böse auf der Strassenmitte entgegen und wir landeten fast im Strassengraben. Arrow hat uns aber natürlich sicher und heil wieder zurück in unser Studio gebracht.


Dort verbrachten wir einen gemütlichen Weihnachtsabend zu zweit (wie auch sonst – alle Restaurants waren ja zu!) und genehmigten uns ausnahmsweise einmal Apéro, Hauptgang und Dessert.


Am nächsten Tag ging es bereits wieder weiter ins rund 120 km entfernte Tarraleah. Tarraleah wurde in den 1920er-Jahren eigentlich mitten im Nirgendwo als Wasserkraftstadt gegründet. Mit dem Bau der Staumauer und des Hydrokraftwerks wurden hunderte Leute beschäftigt. Die ersten Arbeiter wohnten in Zelten. Erst Ende der 30er-Jahre erhielten sie Geld, um ihre eigenen Häuser zu bauen. In der Spitzenzeit gab es drei Pubs, zwei Kirchen, eine Schule, ein Hotel (die Lodge, in der wir nächtigten) und sogar einen eigenen Polizeiposten. Nach vollständiger Inbetriebnahme des Kraftwerkst Ende der 90er-Jahre wurde die Stadt geschlossen und das ganze Gebiet an einen Privaten verkauft. Heute werden die ehemaligen Häuser der Arbeiter als Feriencottages vermietet, es gibt einen Campingplatz, ein Pub und eben natürlich die Lodge. Es leben nur Resort-Angestellte und Touristen dort. Viele Touris hatte es jedoch nicht; auf zwei der drei Kurzwanderungen, die wir dort gemacht haben, waren wir mutterseelenalleine.


Nur bei den Coos (Merets Lieblingstiere, auch ausserhalb Australiens) trafen wir auf weitere Touristen. Schottische Hochlandrinder sind hierzulande nicht gerade ein täglicher Anblick. Die handzahmen Zottelpelze (jedenfalls, wenn man vorgängig Futter gekauft hat) kamen uns sehr nahe, was Merets Gemüt seeeehr erfreute 😉 Und uns tolle Fotos bescherte.




Ausserdem kommen in Tarraleah ab Einbruch der Dunkelheit zahlreiche beutelierische Zeitgenossen aus ihren Unterschlüpfen und man trifft auf viele Wallabys und Possums – wir haben mit etwas Glück sogar einen sehr scheuen Wombat angetroffen – auch das erfreute Merets Gemüt ausserordentlich 😉
Am Nachmittag haben wir das Spa reserviert und genossen eine Stunde im Hot Tub. War nicht ganz wie zu Hause im Whirlpool, aber die Aussicht in das Tal voller Wald war schon ganz toll.


Am nächsten Morgen fuhren wir bei Regen von Tarraleah los Richtung Westküste. Auf halber Strecke stoppten wir beim Lake St Claire, um uns ein wenig zu bewegen. Nach knapp 2 Stunden hatten wir viel Regenwald durchquert, geduldig, aber leider erfolglos die Seeoberfläche abgesucht (im See leben viele Schnabeltiere) und waren wieder auf dem Weg zum Highway. Auf der Zufahrtsstrasse des Nationalparks erspähten wir mehrere watschelnde Echidnas am Wegesrand. Der dritte oder vierte war endlich an einer Stelle unterwegs, an der wir problemlos halten konnten. Das eigentümliche Tier (es ist wie das Schnabeltier ein eierlegendes Säugetier) liess uns ziemlich nahe an sich herankommen, während es mit seiner schnabelartigen Nase unter trockenem Laub und abgefallener Baumrinde nach Nahrung stöberte.


Um diese Tierbegegnung reicher ging die Fahrt auf der teilweise recht kurvigen Bergstrasse weiter und gegen Abend trafen wir im idyllischen Küstenstädchen Strahan (sprich: Strohn) ein. Wir hatten ein B&B gebucht, waren aufgrund von Überbuchung aber an ein Hotel verwiesen worden, bei dem wir nicht so recht wussten, was wir zu erwarten hatten. Wir waren vorgängig natürlich auf der Internetseite des Risby Cove; diese ist gelinde gesagt aber schlecht und nicht sehr aussagekräftig. Umso erfreuter waren wir, als wir in ein nigelnagelneues und hochmodernes Cottage im maritimen Shabby-Chic-Look einquartiert wurden. Das Hotel liegt direkt an einem kleinen Hafen und hat ein Restaurant, in dem man sehr fein isst. So hat es uns in Strahan also gut gefallen.
Allgemein haben wir es uns auf Tasmanien kulinarisch recht gut gehen lassen. Hier ein paar Auszüge – und keine Angst, wir lassen das hier jetzt nicht zu einem Food-Blog verkommen 😉





Am nächsten Tag hiess es schon wieder Abschied nehmen von Tasmanien; für uns sind die zwei Wochen sehr schnell vorbeigegangen. Zurück ging es wieder in der Nacht mit der Fähre, also stand uns nochmals ein ganzer Tag zur Verfügung. Diesen nutzten wir, um in den berühmten Cradle Mountain Nationalpark zu fahren. Eigentlich wollten wir eine zweistündige Wanderung machen, doch das Wetter spielte nicht mit. Es nieselte immer wieder und die Bergspitzen waren von dichten Wolken verhangen. So entschieden wir spontan, nur bis Ronnie Creek zu fahren, das ebenfalls im Nationalpark liegt. Dieser Platz ist bekannt dafür, dass man dort auch tagsüber auf die ansonsten nachaktiven Wombats treffen kann, und war von daher Anlaufstelle Nummer eins (jaja, wir wissen es, unsere Reise ist sehr wombatlastig, aber wer mal in so ein knuffiges Gesichtchen geschaut hat, weiss, dass man von Wombats nie genug haben kann ;)). Es hatte wahnsinnig viele Touristen in Cradle Mountain, das merkten wir schon, als wir beim Eingang in den Nationalpark kurz im Visitor Centre hielten. Der Parkplatz war proppenvoll und das Café völlig überfüllt. Weil die Anzahl Autos im Park beschränkt ist, stiegen wir kurzerhand auf die alle 5 bis 10 Minuten verkehrenden Shuttle-Busse um. Der Park ist diesbezüglich sehr gut organisiert. Bei Ronnie Creek stiegen wir aus und machten uns auf die Suche nach den pelzigen Bulldozern. Leider liessen sie auf sich warten, aber auch landschaftlich gesehen ist der Nationalpark definitiv einen Besuch wert – sogar bei schlechtem Wetter.


Auf der Suche nach den Knuddelpelzlern probierten wir verschiedene Wege aus, die von der Shuttle-Bus-Haltestelle wegführen. Und siehe da, als wir plötzlich ganz alleine auf dem Wanderweg standen, weit und breit kein Mensch mehr in Sicht, kam ein Wombat die Wiese hinuntergetapst, schnurstracks auf uns zu. Nur etwa einen Meter vor uns hielt er an, um den Wanderweg zu überqueren. Was für ein Glück! Später trafen wir noch auf drei weitere Exemplare. Ganz so an Menschen gewöhnt wie im Wilsons Promontory sind sie auf Cradle Mountain (zum Glück) nicht, wir kamen teilweise aber bis auf wenige Meter an sie heran und sie liessen sich in aller Ruhe fotografieren. Der Ausflug hat sich also mehr als gelohnt!


Nach dem Nationalpark mussten wir nochmals knapp 80 km fahren, bis wir in Devonport waren (just around the corner). Dort haben wir uns schweren Herzens von unserem geliebten Arrow verabschiedet und gingen an Bord der Spirit of Tasmania. Die Überfahrt war diesmal sehr viel ruhiger und wir haben gar nicht mal so schlecht geschlafen.
Heute Morgen sind wir nun sehr früh in Melbourne angekommen und durften dank leichtem Umorganisieren der Rezeptionistin direkt unser Apartment beziehen, das wir für die nächsten drei Tage unser Zuhause nennen. Unser Timing mit Melbourne stimmt perfekt: Gestern Abend war nach sintflutartigen Regenfällen die halbe Stadt überflutet. Den Bildern in den Nachrichten zufolge stand die Stadt richtiggehend unter Wasser. Auch heute sind an einigen Stellen noch letzte Überreste davon zu erkennen. Wirklich schlimm ist es aber nicht mehr. Nun kommt sogar langsam die Sonne raus. Für uns heisst das: Wir müssen jetzt los und die Stadt entdecken.
Bis zum nächsten Mal im nächsten Jahr – schon jetzt: HAPPY NEW YEAR!
Happy New Year! Und hab ich schon gesagt, dass ich total neidisch auf euch bin… Gute Weiterreise!