Die drei Tage in Melbourne haben wir ziemlich gut überstanden. Unter anderem haben wir am 31.12.16, also zum Jahresabschluss, noch eine Weindegustations-Tagestour gebucht. Brett, unser Guide, hat uns (10-köpfige Gruppe querbeet aus aller Welt) sehr souverän zu vier verschiedenen Winerys im Yarra Valley gebracht. Überall wurden wir freundlich empfangen und gut verpflegt. Die Strassen durch das landschaftlich wunderschöne Yarra Valley sind mit viiiielen Kurven und viiiiielen Auf-und-Abs versehen. Nach einigen Fahrminuten wechselte Simu mal von der hintersten Sitzreihe in die Front, um dort als Co-Pilot mitzuhelfen (Cinnageron, das Medikament gegen Reisekrankheit, durfte er ja nicht nehmen, da dieses bekanntlich sehr müde macht und die Sylvesternacht… Naja, ihr wisst schon). War dann auch überhaupt kein Problem mehr und der Wein schmeckte meist zwischen «nicht schlecht» und «doch schon ziemlich gut». Die meisten Weine waren uns zu leicht oder zu sauer, die wirklich guten viel zu teuer (die Alkoholsteuer ist in Australien unglaublich hoch)…




Für unsere weitere Reise, die Great Ocean Road, haben wir uns mit 1,5 Flaschen (1 Flasche Rotwein und ein kleiner Dessertwein) versorgt. Bis jetzt haben wir die aber leider noch nicht angefasst, weil Meret…. Ach, das schreiben wir dann später, warum!
Auf jeden Fall war die Tour sehr unterhaltsam und spannend. Nachdem uns Brett pünktlich wieder vor der Flinder Street Station abgesetzt hatte, zogen wir uns noch kurz zur allgemeinen Erholung in unser Apartment zurück. Um 21.00 Uhr hatten wir eine Reservation im Terra Rossa, einem italienischen Restaurant gleich um die Ecke. Nach ca. 20 Minuten durften wir dann auch an unseren Tisch. Das Restaurant war sehr schön, aber proppenvoll. Sie hatten für das 3-Gang-Silvesteressen so viele Tische reingestellt, wie nur irgendwie Platz hatten. Wir sassen zum Glück etwas am Rand, wo es ein bisschen ruhiger war. Der weitere Abend war etwas langfädig (wir kannten irgendwie überhaupt niemanden ;)), zudem spielte Merets Magen nicht mit und sie fühlte sich je später je schlechter. An der Vorspeise und dem Hauptgang war geschmacklich nichts auszusetzen. Auch am Dessert nicht, das wir aber per Doggybag mit ins Apartment nehmen durften und am nächsten Abend genossen. Denn mit Meret war nichts mehr zu machen, sie musste dringend ins Bett.
Das Feuerwerk um Mitternacht musste sich Simu alleine zu Gemüte führen, deswegen war es aber nicht weniger spektakulär. Dazu musste er erst noch nur ein paar hundert Meter aus dem Haus gehen. Meret lag unterdessen dick eingemummelt in Bett.


Am Neujahrsvormittag, kurz nach dem Aufstehen (als bei Euch gerade so Mitternacht war), haben wir uns doch noch über den einen oder anderen Anruf gefreut (auch wenn sie das langsam, aber stetig wachsende Heimweh kurzfristig noch verstärkten).
Meret ging es wieder recht gut und so wagten wir uns später durch das noch ziemlich verschlafene, Melbourne. Das Wetter war kalt und teilweise nass, deshalb zog es uns zuerst einmal ins nahegelegene Chinatown, wo wir uns einen «kleinen Snack» gewährten. Ansonsten war es ein recht fauler Tag. Wir haben in den drei Tagen aber doch recht viel von Melbourne zu sehen bekommen.






Die eine oder andere Ecke haben uns besonders zugesagt, beispielsweise eine Gasse mit lauter kleinen, sympathischen Bars und Restaurants oder eine Strasse, die regelmässig von Graffiti-Künstlern neu übersprayt wird und an der sich wahre Kunstwerke sammeln.




Am 2. Januar war unsere Zeit in Melbourne schon wieder um und wir holten bei Hertz unseren Mietwagen für die nächsten 9 Tage ab. Obwohl er ein sehr einfaches Auto mit nichts mehr als der billigsten Grundausstattung ist, haben wir uns sofort in «Wilson» verliebt. Er bietet Platz, guten Sitzkomfort und kommt auch mit etwas unwegsameren Strassen erstaunlich gut klar. Ausserdem ist er sehr schön anzuschauen, weil er in einem schönen Blau leuchtet. Seht selbst:



Sobald unser Gepäck in Wilson verstaut war, ging es los Richtung Great Ocean Road. Unser erstes Ziel hiess Apollo Bay, einem typischen Ferienstädtchen an der Küste. Die Fahrt dauerte sehr viel länger als gedacht, denn auf geschätzten 20, gefühlten 50 km der Küstenstrasse herrschte stockender Verkehr. In Australien sind jetzt die grossen Schulferien, ausserdem zieht der Sommer auch sehr viele ausländische Touristen an die ansonsten eher kühle Südküste. Ab Torquay (dort, wo die eigentliche Great Ocean Road beginnt) herrschte Hochbetrieb und der Verkehr staute sich an einigen Stellen geradezu. Ein kurzer Stopp zum Koala-Spotting (unser neuestes Hobby übrigens) war der einzige Halt, den wir uns unterwegs gönnten. So schlichen wir die Küste entlang, bis wir gegen Abend in unserem Motel eintrafen. Die vielgerühmten guten Restaurants in Apollo Bay haben wir leider vergeblich gesucht. Allgemein ist in Australien kulinarisch gesehen nicht alles Gold, was glänzt. Zwar haben wir schon den einen oder anderen schön angerichteten Teller vorgesetzt bekommen, geschmacklich haben uns bisher aber höchstens 5 Essen wirklich überzeugt, die meisten liefen unter «ist ok, mit etwas Nachwürzen kann man es essen» und das eine oder andere Gericht war eigentlich schlichtweg ungeniessbar. Apollo Bay (mangels Auswahl gab es eine Art Pizza und Chicken Schnitzel, denn die einzigen drei anmächeligen Lokale waren hochsaisonbedingt völlig überfüllt) fiel unter die Kategorie «essbar».
Am nächsten Tag fuhren wir lediglich 95 km weit (just around the corner), brauchten dafür aber einen ganzen Tag, diesmal aber zum Glück nicht staubedingt, sondern weil es einfach sehr viel zu sehen gab. Zwar trafen wir immer noch auf ganze Heerscharen Touristen und übervolle Parkplätze, wir konnten den Touristenhorden aber einigermassen aus dem Weg gehen und den einen oder anderen wirklich schönen Winkel entdecken. Unter anderem waren wir auch wieder erfolgreich auf Koala-Suche (unser Hobby zahlt sich also aus) und haben ausserdem wieder einen Echidna gefunden.


Vormittags waren wir am Cape Otway, was sehr schön war, wetterbedingt aber noch nicht zu unseren Highlights gezählt werden kann. Das Wetter hier ist allgemein schwierig, denn es war in den letzten Tagen mit tagsüber nur rund 15 Grad und nachts unter 10 Grad eher kalt. Die Häuser sind nicht isoliert, eine Heizung, die die Temperatur auf einem konstanten Niveau halten würde, gibt es nicht. «Geheizt» wird mit der Klimaanlage. Diese jagt die Innentemperatur kurzfristig sehr hoch, sobald man sie abstellt, wir es wieder kalt. Die Nächte sind nicht gerade sehr erholsam, denn zuerst friert man, dann schwitzt man, dann fiert man, dann schwitzt man… Meret hat sich Klima sei Dank böse erkältet und niest und hustet seit einigen Tagen, was das Zeug hält. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen Road Trip. Doch sie hält tapfer durch, auch wenn sie natürlich ständig jammert, weil es ihr nicht so gut geht.
Doch zurück zur Great Ocean Road! Vormittag am Cape Otway: nicht so schön. Nachmittags, als wir die weltberühmten Sehenswürdigkeiten der Great Ocean Road (kurz: GOR oder B100) besichtigten: eitel Sonnenschein und wunderschönes Wetter. Ab einem Punkt kurz vor der Ortschaft Port Campbell reihen sich die Kulturkracher geradezu aneinander: Gibson Steps, Twelve Apostles, Loch Ard Gorge, The Arch, London Bridge, The Grotto, Bay of Martyrs und Bay of Islands. Allesamt sind sie schlicht und ergreifend atemberaubend. Die Great Ocean Road ist einfach der Hammer! Auch über Übernachtungsort dazwischen (Port Campbell) hat uns ganz gut gefallen (auch wenn das Essen in die Kategorie «essbar» fiel ;)).












Nach der GOR ging es nach Dunkeld, einer kleinen Ortschaft am südlichen Eingangstor zu den Grampians. Dunkeld selbst ist herzig, wir hatten ein grosszügiges Cottage und das Essen im hoteleigenen Bistro (das «fine dining restaurant», wo ab 150 Franken pro Person gespiesen wird, war zum Glück schon ausgebucht) war in Simus Fall («Chicken Parmigiana, der Dauerbrenner der guten, günstigen und in grossen Portionen servierten Menüs in Australien) «gut» und in Merets Fall (panierter «Flathead») «essbar». Das Royal Mail Hotel und Restaurant verfügt über eine der grössten (wenn nicht die grösste??) Weinkarte Australiens. In unserem Zimmer lag keine Karte auf, sondern ein ganzes Buch. Und man bekommt vom Glas Shiraz oder Cab Sauv für 9.50 bis zum Edelwein mit Jahrgang 1982 für sage und schreibe 16’000 Dollar so ziemlich alles. Ihr habt richtig gelesen 16’000 Dollar! Wir haben den Shiraz und den Cab Sauv genommen 😉
Heute nun ging es von Dunkeld aus weiter Richtung Norden an mehreren beeindruckenden Bergen vorbei (wobei die freundliche – what else, sie ist schliesslich Australierin?! – Dame im Visitor Centre meinte, wenn wir aus der Schweiz kämen, seien das hier ja lediglich Hügel, keine Berge). Nächstes Ziel war Halls Gap mitten im Grampians Nationalpark. Bevor wir in unser gemütliches Motel eincheckten, standen noch ein langer und ein kurzer Walk auf dem Programm. Walk 1 führte uns bergauf, bergauf, bergauf zum Pinnacle, einem felsigen Aussichtpunkt. Die Wanderung dauerte 2,5 Stunden und wir haben dabei rund 500 Höhenmeter zurückgelegt. Ihr erinnert euch? Meret ist erkältet. Husten und so? Angeschlagene Atemwege und steile Wanderungen vertragen sich eigentlich nicht so gut, aber zum Glück ist Meret ehrgeizig und wollte unbedingt da hoch. Halt etwas gemütlicher als sonst, aber wir haben es geschafft!! Und die Aussicht und der Abstieg waren einfach nur fantastisch (der Aufstieg war einfach nur unglaublich anstrengend ;)).




Danach machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Reed Lookout, wo wir uns auf den berühmtberüchtigten Balkon vorwagten. Holy guacamoly, war das vielleicht mit zitternden Knien verbunden! Aber wir haben es uns getraut…


Damit verabschieden wir uns, denn es warten nicht nur eine Herde Kängurus hinter dem Motel auf uns, sondern auch noch viele Walks und weitere Abenteuer.